Definition

Als Ulkus bezeichnet man einen Defekt der Haut bis in den Bereich der Dermis oder tiefer bzw. der Schleimhaut durch alle Wandschichten. Ein Ulkus ist nicht das unmittelbare Ergebnis eines Traumas, sondern kann u.a. durch infektiöse, immunologische oder angiologische Ursachen entstehen. In der Dermatologie zählt das Ulkus zu den Sekundäreffloreszenzen.

Die Mehrzahl von Ulkus lautet Ulzera. Das zugehörige Verb heißt ulzerieren.

Einteilungen

…nach Bedeckung des Ulkusgrundes

  • Ulcus gangraenosum: Beläge aus nekrotischem Gewebe
    • Ulcus sphaecelosum: Sonderform des gangränösen Geschwürs
  • Ulcus granulomatosum: Granulationen im Bereich des Ulcusbodens
  • Ulcus fungosum: schwammiges Granulationsgewebe
  • Ulcus elevatum: Erhöhung des Ulkusgrundes über das umgebende Haut- oder Schleimhautlevel durch Wucherungen von Granulations- oder Tumorgewebe

…nach Beschaffenheit des Ulkus oder Ulkusrands

  • Ulcus callosum: Verhärtungen des Randes
  • Ulcus durum: Geschwür mit derbem Rand als Primäraffekt bei Syphilis
  • Ulcus molle: Geschwür nach Infektion mit Haemophilus ducreyi
  • Ulcus penetrans: Geschwür mit Durchbruch durch alle Schichten der Wand (Auftreten besonders im Magen)
  • Ulcus sinuosum: Unterminierungen im Bereich des Randes
  • Ulcus terebrans: Massive Destruktionen mit Übergreifen auf Knorpel und Knochen

…nach Art der Ausbreitung

  • Ulcus corrosivum: Ausbreitung in das umliegende Gewebe
  • Ulcus rodens: „nagendes“ Fortschreiten im Randbereich
    • Ulcus phagedaenicum: rasche Ausbreitung bei Syphilis oder Schankroid
  • Ulcus serpens: langsame Ausbreitung teilweise mit beginnenden Zeichen einer einseitigen Abheilung

…nach Art der Schädigung

  • Ulcus carcinomatosum: Geschwür durch Ausbreitung von malignem Tumorgewebe
  • Ulcus causticum: Geschwür nach Gewebsschädigung durch Verbrennung oder Verätzung
  • Ulcus factitium: Geschwür durch artifizielle (Selbst-)Schädigung
  • Ulcus hypertonicum: Geschwür nach Mangelversorgung durch Hypertonie (siehe Ulcus cruris)
  • Ulcus pepticum: Geschwür durch Wirkung von proteolytischen Enzymen im Bereich des Magens oder Darmes
  • Ulcus postthromboticum: Geschwür durch Mangelversorgung nach Thrombose
  • Ulcus radiologicum: Geschwür durch Gewebeschädigung nach Bestrahlung oder Strahlenexposition (Strahlenulcus)
  • Ulcus scrofulosum: Geschwür der Kornea bei Skrofulose
  • Ulcus syphiliticum: hart begrenztes Geschwür (Ulcus durum) bei Syphilis
  • Ulcus trophicum: Geschwür durch neurogene oder vaskuläre Schädigungen der Trophik
  • Ulcus tropicum: Geschwür bei Fusospirillose

…nach Lokalisation

  • Ulcus arteriosum: Geschwür durch Defekte in der arteriellen Durchblutung mit der Konsequenz einer Mangelversorgung
  • Ulcus corneae: Geschwür der Hornhaut nach Entzündungen verschiedenster Art
  • Ulcus cruris: Geschwür durch Mangeldurchblutung des Unterschenkels („offenes Bein“)
  • Ulcus ventriculi: Geschwür des Magens
  • Ulcus duodeni: Geschwür des Duodenum
  • Ulcus jejuni: Geschwür des Jejunum
  • Ulcus pyloricum: Geschwür im Bereich des Pylorus des Magens
  • Ulcus recti: Geschwür im Bereich des Rectum
  • Ulcus septi nasi: Geschwür des Nasenseptum
  • Malum perforans: neuropathisches Druckgeschwür der Fußsohle

Therapie

Die Therapie eines Ulkus ist von seiner genauen Ursache und Lokalisation abhängig. Ulzera heilen narbig ab, da der Substanzdefekt nur durch Granulationsgewebe ausgefüllt werden kann.

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